Tiny House Ökologie und Nachhaltigkeit

Tiny Houses erfreuen sich international wachsender Beliebtheit. Neben Wünschen und Träumen wie Minimalismus oder geringerem Fußabdruck, den wir Menschen auf diesem Erdenrund hinterlassen wollen, spielen häufig auch ökologische und nachhaltige Gründe eine entscheidende Rolle. Allerdings sind Mikrohäuser nicht per se ökologisch und schon gar nicht nachhaltig, nur weil sie klein sind, aus heimischen Bäumen geschnitzt wurden, die Wände mit Seegras gestopft wurden oder eine Mini-PV-Anlage auf dem Dach haben.
Viel entscheidender ist: Je dünner die Dämmung ist, desto schwieriger wird es, einen tatsächlich ökologisch-nachhaltigen Energieverbrauch insbesondere für die Heizung in einem Tiny House zu gewährleisten. Darüber hinaus spielt auch die überproportional große Außenfläche eines Tiny House eine Rolle, weil ja in alle Richtungen – also Außenwände, Decken und Fußböden – Wärmeverluste entstehen können. Deshalb gilt (nicht nur) bei Mikrohäusern:

Ökologisch ist NICHT, wenn nur ökologische Materialien verwendet werden

sondern

Ökologisch ist, wenn ein Haus nachhaltig betrieben wird.

Und diese ökologische Nachhaltigkeit kann man berechnen und auch messen.

Doch bevor wir tiefer in die Materie einsteigen, sei uns ein wichtiger Hinweis erlaubt:
Dieser Artikel gehört nicht in die Jubel-Kategorie „alles öko, bitte glaubt mir“ sondern wir gehen fachlich konsequent in die Tiefe. Deshalb bitte einmal tief durchatmen und mental auf eine etwas schwerere Kost vorbereiten 🙂

Los geht’s.

Entscheidend bei der Ermittlung der ökologischen Nachhaltigkeit ist der sogenannte Primär-Energiebedarf. Dieser Bedarf wird erforderlich, um ein Haus ganzjährig mit zusätzlicher Energie zu betreiben. Dieser Bedarf wird in kWh (also: Kilowatt/Stunde) gerechnet und bezieht sich bei einem Haus immer auf einen m2 und auf ein Jahr. Entsprechend lautet die Bezeichnung kWh (m2a), wobei das „a“ eben von „Anno“ kommt und für „Jahr“ steht. Es gilt: Je niedriger dieser Wert ist, desto umweltbewusster und nachhaltiger kann das Haus betrieben werden. Wichtig dürfte dabei auch sein, dass der Gesamt-Energiebedarf heutzutage eigentlich keine große Rolle mehr spielt. Das bedeutet, Sie können so viel Energie in Ihrem Haus verballern, wie Sie wollen. Wichtig ist nur der Anteil, der beim besten Willen nicht mehr aus nachwachsenden oder erneuerbaren Energien gewonnen wurde, und das ist eben der Primär-Energiebedarf.

Zusätzlich ist aber auch die CO2-Emission von großer Bedeutung. An diesem Wert kann abgelesen werden, ob das Haus mit klimafreundlichen schadstoffarmen Brennstoffen und Energien betrieben wird.

Wird also zum Beispiel mit fossilem Erdgas geheizt, dann wird die CO2-Emssion deutlich erhöht sein und wenn mit nachwachsenden Rohstoffen geheizt wird, ist er entsprechend geringer.  Zusammen genommen bedeutet es also: der Primär-Energiebedarf zeigt die absolute Energie auf, die benötigt wird, und die CO2-Emission verdeutlicht, wie umweltfreundlich dieser Aufwand ist. Eigentlich ganz einfach, oder? Aber nur, wenn man diese beiden Werte kennt, und leider gibt es nur sehr wenige Hersteller, die ihre Werte ehrlich offenlegen.

Die Berechnungsgrundlage für die ökologische Nachhaltigkeit eines Wohngebäudes ist sogar gesetzlich im Gebäudeenergiegesetz*) (kurz: GEG vormals EnEV) festgeschrieben und muss für jedes neu gebaute Wohnhaus explizit schon beim Bauantrag in Form eines sogenannten Wärmeschutznachweises bestätigt werden. Aktuell (Stand: 2021) liegt die GEG-Messlatte bei einem Energiesparhaus des Levels EH-70 (früher auch KfW-70 genannt), die jedes neue Wohngebäude – egal ob groß, klein oder winzig – erfüllen muss. Hier liegt übrigens auch der Grund dafür, weshalb das dauerhafte Wohnen in einem einfachen Wohnwagen oder einem simplen Mobilheim letztendlich eine echte und reale Umweltverpestung ist, eben weil Umweltkriterien nicht geprüft und nicht eingehalten werden.
Es gilt daher

Ohne Wärmeschutznachweis kein ökologisch nachhaltiges Wohngebäude

Dabei spielen tatsächlich nicht nur klassische Dämmwerte – auch gerne U-Werte genannt – eine Rolle sondern auch Lösungen zur Wärmerückgewinnung bei der Raumklimatisierung zur Verhinderung von Kondenswasser und Schimmel, Einflüsse durch Sonneneinstrahlung oder Körperabwärme und – nicht ganz unwichtig – der Nutzung von erneuerbaren Energien und nachwachsenden Rohstoffen. Deshalb können Tiny Houses mit Gasheizungen, ungesteuerten Holzöfen oder Elektroheizkörpern grundsätzlich nicht zu einem guten Primärenergiebedarf beitragen, weil sie die Gesamtbilanz im besten Fall gar nicht oder sogar negativ beeinflussen.

Tiny House Ökologie

Rolling Tiny HouseEin Rolling Tiny House mit einem Primärenergiebedarf von gerade einmal 58,3 kWh (m2a) liegt also im Vergleich zu anderen Wohngebäuden im hervorragenden positiven Bereich und erfüllt damit die gesetzlichen Bedingungen für ein EH-70-Wohnhaus, wobei das „EH“ für „Effizienzhaus“ steht. Landläufig wird auch von KfW-70-Haus gesprochen. Es ist damit also noch kein hyper-effizientes Passivhaus aber kann trotzdem mit modernen Wohnhäusern locker mithalten. Entscheidend ist allerdings auch die geringe DIN-Wohnfläche von gerade einmal 17 m2, auch wenn die Nutzfläche inklusive Schlaftloft und Eingangsloft bis zu 28 m2 betragen kann. Somit liegt der

Gesamt-Primärenergiebedarf bei 58,3 kWh x 17 m2 = 991,1 kWh/Jahr.

Noch bessere Werte konnten wir mit unserer 3. Modellreihe Rolling Tiny Kate erzielen, mit der wir erstmals den EH-55-Standard erreichen konnten. Da liegt der Primärenergiebedarf bei nur 26,0 kWh (m2a). Da die Kate eine größere Grundfläche von ca. 24 m2 aufweist, entspricht dies einem jährlichen Gesamt-Primärenergiebedarf von 624 kWh. Im Vergleich zu einem gleichwertigen KfW-55 Wohnhaus mit 80 m2 ergibt sich allerdings schon ein Gesamt-Primärenergiebedarf von 2.080 kWh/Jahr und genau da liegen die gewaltigen Unterschiede zwischen einem Tiny-Wohnhaus und einem klassischen Wohnhaus.

Ganz nebenbei beweisen wir mit unserer KfW-55-Kate, dass Hochhäuser keinesfalls nachhaltiger als Tiny Houses sind. Diese ständig wiederholte Pauschalbehauptung haben wir mit der KfW-55-Kate schlichtweg ad absurdum geführt. Und tatsächlich werden die meisten neu errichteten mehrgeschossigen Mehrfamilienhäuser „nur“ nach KfW-55 gebaut. Der Grund liegt ganz einfach in dem Umstand, dass die zusätzlichen Investitionen von KfW-70 auf KfW-55 geringer als die aktuell noch zu erzielenden Förderzuschüsse sind. Bei der nächsten Hürde KfW-40 sieht das schon ganz anders aus. Da übersteigt die erforderliche Mehraufwand die Fördersummen. Ergebnis: Eine KfW-55-Tiny Kate ist absolut gleichwertig und aufgrund ihrer geringeren Wohnfläche sogar deutlich nachhaltiger. Wir appellieren daher an alle Hochhaus-Fanatiker: Vergesst mal langsam Eure Verkäufersprüche, mit denen Ihr Menschen mit falschen Öko-Pauschalbehauptungen in Hochhäuser zu motivieren versucht. Fachlich sind sie schon längst widerlegt.

Wohngebäude als gewaltige CO2-Emittenten

Interessanterweise spricht kaum jemand über die CO2-Emissionen im Wohnungsbau. Die Fakten sind allerdings ernüchternd: Gemäß UNEP (United Nations Environment Programme) verursachen Gebäude rund ein Drittel der weltweiten CO2-Emissionen. Daran gemessen dürften dann auch so manche politisch motivierte Ambitionen zum Beispiel in Sachen E-Mobiltät in einem anderen Licht erscheinen, weil da vielleicht auch wieder nur ein Ersatz-Schuldiger gesucht wird, weil man die wahren Problemfälle schlichtweg nicht gelöst bekommt. Nachhaltiges Bauen ist – oder besser: wäre – daher eines der wirksamsten Instrumente überhaupt, um ökologische, ökonomische und soziale Herausforderungen anzugehen. Deshalb weisen wir bei unseren Tiny Houses auch die CO2-Emissionen konkret in Kilogramm per m2/Jahr aus wohlwissend, dass wir damit in der gesamten Immobilienwirtschaft und auch im Tiny House-Markt in ein regelrechtes Wespennest stoßen. Ihr glaubt es nicht? Dann sucht Euch einmal zehn Tiny House-Hersteller aus und fragt nach dem Primär-Energiebedarf und der CO2-Emission. Viel Spaß und satte Erkenntnisse 😉

Den CO2-Spitzenwert unter unseren Modellen nimmt das Rolling Tiny House mit nur 2,98 kg (m2a) ein, womit die CO2-Gesamt-Emission pro Jahr bei nur knapp über 50 kg liegt.

„Pflanze vier Bäume und Du wohnst CO2-neutral“

Wie gut dieser CO2-Wert tatsächlich ist, zeigt sich an folgendem Vergleich: Pro Jahr bindet eine Buche hierzulande ca. 12,5 Kilogramm CO2. In den lateinamerikanischen Tropen bindet ein Baum in den ersten 20 Jahren im Schnitt sogar ca. 16 kg CO2/Jahr.

Es müssen also rein rechnerisch lediglich vier Buchen gepflanzt werden, um in einem Rolling Tiny House CO2-neutral zu wohnen. Doch auch ein wesentlich größerer Rolling Bungalow würde als EH-55-Effizienzhaus „nur“ ca. 217 kg CO2 pro Jahr (5,43 kg x 40 m2) emittieren. Der CO2-Ausstoß steigt also naturgemäß bei größeren Wohnflächen.

Und noch ein Vergleich: Würde eine 40 m2-Wohnung mit einer Gas-Heizung – also einem fossilen Energieträger – beheizt werden, so würde die CO2-Emission allein durch die Gas-Heizung bei ca. 1.040 kg CO2/Jahr liegen. Tiny Houses, die mit einer Gastherme beheizt werden, könen also per se nicht wirklich nachhaltig betrieben werden.

Wie außergewöhnlich günstig allerdings der CO2-Wert von 2,98 kg unseres Rolling Tiny House on Wheels ist, konnten wir bei einem direkten Vergleich mit einem Tiny House erkennen, das nicht aus unserer Produktion stammt. Dort lag der CO2-Ausstoß immerhin bei 42,9 kg (m2a), was bei gleicher Größe von 17 m2 Wohnfläche einem jährlichen Ausstoß von bemerkenswerten 729,3 kg/Jahr entspricht, – oder in Bäumen gerechnet: Es müssten 58 Buchen gepflanzt werden.

D’rum beachte:
Nicht alles, was als ökologisch angepriesen wird, ist auch tatsächlich ökologisch.
Glaube keinen Verkäufersprüchen sondern verlange stets alle Zahlen, Daten und Fakten.

Tiny House Ökologie und Bäume als CO2-Speicher
Der beste und natürlichste CO2-Speicher ist immer noch der Baum.
Lebe Deinen Tiny House-Traum und pflanze viele Bäume.

Es kann also absolut Sinn machen, die konkreten Werte eines jeden Tiny House einzufordern, das in die engere Wahl genommen werden soll. Dabei gilt noch ein besonderer Hinweis: Ein Hersteller, der keinerlei Werte liefern kann, hat auch keinen Wärmeschutznachweis durch einen staatlich anerkannten Energieberater erstellen lassen, womit das Tiny House grundsätzlich nicht als Wohngebäude genehmigungsfähig ist. Gleiches gilt für medial aktive Tiny House-Kritiker, die gerne Äpfel mit Birnen (Mikrohäuser mit Hochhäusern)  vergleichen und sozial- wie wohnungsbaupolitische Aspekte komplett unter den Tisch fallen lassen. (siehe u.a. Tiny Houses als nachhaltige Single-Wohnform)
Und last but not least schützt der Gesetzgeber mit dem Gebäudenenergiegesetz und den darin verankerten Mindestanforderungen zur ökologischen Nachhaltigkeit auch vor platten Verkäufersprüchen in Sachen Ökologie.

Alle Zahlen und Daten in diesem Artikel entsprechen dem technologischen Entwicklungsstand im Jahre 2021, der mit einfachen Heimwerker-Techniken oder vermeintlich toll klingenden Autarkie-Ideen schon lange nichts mehr gemein hat. Wenn wir den Primärenergiebedarf und die CO2-Emissionen noch weiter verringern wollen, müssen wir noch mehr Kraft und Energie in die Forschung und Entwicklung neuer Technologien investieren. Damit werden sich Tiny Houses zunehmend zu High-Tec-Häusern entwickeln, wenn sie auch morgen noch ökologisch-nachhaltig betrieben werden sollen. Der Vergleich zu modernen emissionsarmen PKWs ist da nicht weit hergeholt. Und auch der Gesetzgeber will genau diese Innovationen vorantreiben, weil schon im Jahre 2023 das Gebäudeenergiegesetz noch einmal verschärft werden soll. Dann sollen Primärenergiebedarfe und CO2-Emissionen auf dem Niveau eines KfW-55-Energiesparhauses als gesetzliche Messlatte eingeführt werden, die dann für alle Wohnhäuser – egal ob groß, klein oder winzig – gelten werden.

Daran arbeiten wir mit unserer ganzen Kraft.

Siehe auch unsere Artikel zu folgenden Themen:
Autarkie oder eher Insellösung?
Die 12 größten Tiny-House-Fake-Argumente

*) In Österreich: u.a. „Wärmeschutz im Hochbau“ ÖNORM 8110 sowie „Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden“ ÖNORM H 5055-59.
In der Schweiz: u.a. Gebäudeenergieausweis der Kantone GEAK.